Zum Pferdestehlen - Das Leben als Achterbahn, mit Höhen, mit Tiefen und Loopings im Bauch – ob vor Angst oder Freude. Die ganze Bandbreite deckt das neue Album der "freequency"-Jungs ab. Zusätzlich musikalisch flügge geworden, beweisen die vier Schwaben dabei vor allem eins: Nicht nur sie, sondern auch ihre Musik hat sich vom Schul(punk)rock entfernt und ist erwachsen geworden. Authentizität ist, wenn man nicht anders kann. Diese Platte ist der beste Beweis dafür, dass jO und Maeddes Koch, Benni Hiller und Basti Rauschmeier nicht anders können. Obwohl hauptberuflich andere Pflichten anstehen, obwohl private Veränderungen und der Ausstieg zweier Bandmitglieder im vergangenen Jahr die Moleküle ihres Lebens neu arrangiert haben, gibt es eine frische Scheibe von "freequency". Lange Autobahnfahrten durch den Süden Deutschlands, Tage und Nächte im Studio, dazu wenig Schlaf und Kreativität auf Knopfdruck – Opfer müssen gebracht werden. Und Opfer wurden gebracht. Somit ist es eine gehörige Portion Authentizität, die man auf dem neuen Album der "freequency"-Jungs zu hören kriegt. Denn sie leben, was sie sind und spielen, was sie sind. Der augenzwinkernde Titel "Up for a game, mate?" zeugt von einem Zusammenhalt durch Dick und Dünn – von vier Freunden, auch ohne Enid Blyton. Die Songs strotzen vor Energie und sind mit vergnügter Freundschaft und Lebensfreude durchtränkt. Das Wesentliche verlieren "freequency" dabei nicht aus den Augen: persönlich und metaphysisch herausgewachsen aus den Problemen des Schulalltags, kommen neue – ernsthafte und fröhliche – Themen des jungen Erwachsenenlebens zum Vorschein. Erinnerung an unbeschwerte Kindheitstage sind beispielsweise das Thema von "Sandbox Love" - das textlich ein hübsches Zahlenspiel versteckt hält. Es geht um die naiv-fröhlichen Stunden, die in Sand oder Schnee wie Minuten verstrichen sind, die kindliche Freude an einem Krabbeltier oder einer Kastanie und dabei die felsenfeste Gewissheit, dass man in den Eltern einen Anlaufpunkt hat, der alles richten kann. Idylle vergangener Zeiten? Die Welt mit all ihren Wundern zu sehen – häufig verliert sich diese Perspektive im erwachsengewordenen Alltag. Doch das ist es, was "freequency" nicht akzeptieren wollen und folglich scheinen sie sich in Beuys'scher Manier "Die Revolution sind wir" auf die To-Do-Liste geschrieben zu haben. Der Aufruf fordert, die Schutzweste der Ernsthaftigkeit ab und zu in den Schrank zu hängen, sich mit Kinderaugen wieder dem Feuerwerk der Schöpfung zu stellen und dabei euch als Erwachsener die Sicherheit im Hinterkopf zu haben, dass es einen Vater gibt, der alles richtet - auch wenn wir es nicht immer merken. Aber ist das nicht ein wenig zu naiv? Schon wieder eine Platte, die behauptet, durch den Glauben könne das Leben zu einem rosaroten Freizeitpark mit Luftschloss und Zuckerwatte werden? Weit gefehlt. Sowohl das Lied über eine Aprildusche im Juni mit Klavierunterstützung, als auch "Candles and Rain" reflektieren Momente, in denen erst die Realität und dann die Melancholie zuschlägt. Gerade letztgenanntes Lied präsentiert in Intimität und Verletzlichkeit eine neue Qualität von "freequency". Durch Akustikgitarre und Gesang werden die Gefühle in melodischer Schlichtheit nackt offenbar. Die rauschenden Autos im Hintergrund scheinen zu betonen, wie tief vergraben diese Gedanken häufig sind, sodass die Alltäglichkeit sie links liegen lassend hinter sich bringt. Was bleibt, ist die Kerze im Regen. Die Kerze, das Licht, das – allen physikalischen Gegebenheiten zum Trotz – auch im Regen scheint und den Weg erhellt. Hervorragend lässt sich dieses Lied als Video im Kopf abspielen und lädt somit zur Identifikation ein. Deutlich wird jedem, der ähnliches schon einmal erlebt hat, dass im Zuge solcher Zeiten immer wieder der Wunsch nach den Tagen der "Sandbox Love" aufkommt. Dafür muss man nur Zeit mit Kindern verbringen und lernen, mit ihren Augen zu sehen. "freequency" beweisen mit diesen beiden Seiten der Medaille Mut und Ehrlichkeit und Mut zur Ehrlichkeit. Aber "freequency" wären nicht "freequency", würden sie nicht neben Tiefgründigkeiten wie diesen auch wissen, wie man ordentlich (punk)rockt und Laune macht. So gibt es selbstverständlich neben diesen beiden musikalisch-philosophischen Leckerbissen auch eine ganze Reihe Songs, die in gewohnter Manier die Wände zum Wackeln und Füße zum Tanzen bringen – ohne dabei inhaltlich nur auf der Oberfläche zu schlittern. Die Höhepunkte "Turn off the Stars" und "Uphill run" lassen "freequency"-Fans ihre Helden sofort wiedererkennen. "My house is still yours" sticht daraus noch hervor: würde man nicht gleichzeitig sehen, wer dort spielt, man hätte es in den ersten Sekunden des Songs nicht erkannt. Zweifelsfrei lässt sich darin eine deutliche Steigerung der musikalischen Fähigkeiten von "freequency" erkennen. Mit diesem neuen Grad an Dynamik und Drive äußert sich "freequencys" Hunger nach Leben, ihr Spaß an der Freude, ihr tief verwurzelter Optimismus. Dass sie sich dabei nicht zu ernst nehmen, machen auch die sehr selbstironischen Fotos des Wechselcovers deutlich: Auf den Spielfeldern verschiedener Sportarten albern bis leicht schwachsinnig anmutend zu Gange laden sie zum wagemutigen Anpacken, zum Sprung ins kalte Wasser des Lebens ein. Doch heißt die Platte nicht "Up for a game?", sondern "Up for a game, mate?" und betont damit die Gemeinsamkeit, den Zusammenhalt, der sie durch dieses Abenteuer Leben hindurch unterstützt. Elvis Presley soll die Beatles darum beneidet haben, dass sie die Kehrseiten ihres Ruhmes gemeinsam durchleben und verarbeiten konnten. Auch wenn wir hier nicht so weit gehen wollen, den Erfolg der "freequency"-Jungs mit dem des einen oder der anderen zu vergleichen, so lässt sich aus dieser Geschichte doch eine wichtige Erkenntnis in Bezug auf die vier Herren aus dem Süden treffen: echte Freundschaft wie diese ist nur noch ein Viertel Leid und Spaß im Quadrat. Mit dem Charme von guten Freunden, die einen auch in den unmöglichsten Situationen zum Lachen bringen, überzeugen "freequency". Einen Punkt, wie er zu einem echten Statement gehört, haben "freequency" mit dem neuen Album hinter ihren Namen gesetzt. Fügen wir gedanklich noch zwei Punkte hinzu und warten gespannt ab, wie es weitergeht. Denn dass es weitergeht, ist keine Frage.
Treibende Sounds zwischen College-Rock und Melody-Punk führen FREEQUENCY aus dem baden-württembergischen Laichingen im Gepäck. Mit "Up For A Game, Mate?" legt das Quartett seinen zweiten Longplayer vor, der unter Bewis stellt, dass die Jungs aufgepasst haben, was für den von ihnen gewählten Stil notwendig ist. Sicherlich kann man über den Umstand, dass die elf Tracks der Platte letztlich arg seicht bis cheesy und durchgängig vorhersehbar ausfallen, die Nase rümpfen. Gleichzeitig gilt es jedoch auch zu attestieren, dass FREEQUENCY ein in sich stimmiges, eingängiges und extrem rundes Release abliefern. Auch wenn die Herz-Schwerz-Texte mit offenkundigem Teenie-Appeal nicht jedermann gefallen werden, spiegeln sie doch das ungezwungene und ein Stück weit naive Lebensgefühl von Teenagern wider. Da stört es gleich nicht mehr so sehr, dass "Up For A Game, Mate?" arg an der Grenze zur belanglos glatten Überproduktion kratzt. Wenn man den süddeutschen Vierer live erlebt, ist das sicherlich unterhaltsam und wohl auch mitreißend. FREEQUENCY scheuen sich ja nicht einmal davor, (Halb-)Balladen zu setzen, was ihr Spektrum weiter ausbaut. Fans zwischen Weezer, All-American Rejects, Blink 182 und Green Day könnten am Treiben der Schwaben durchaus Gefallen finden.
Was erwartet einen auf einer Platte, deren Cover eine Horde Grünschnäbel in Golferkluft ziert und die da didaktisch nicht ganz korrekt "Up for a game, mate?" heißt? Richtig, College-Punk! Der Opener "Where would I be" ist ein Meisterwerk dieses Genres. Musikalisch nicht hochwertig aber souverän eingespielt erwartet den Hörer nach einem kurzen Vorspiel eine druckvolle Soundwand. Doch spätestens ab der gebetsähnlichen Stelle in der Mitte des Songs driften FREEQUENCY ein wenig in Richtung Kitsch ab.Was schade ist, denn die anfängliche Dynamik verschwimmt nunmehr in GREEN DAY Plattitüden. Groß angelegte, dreistimmige Refrains und zügige Strophen mit einer angenehmen Stimmlage die niemals auch nur ansatzweise aggressiv zu klingen vermag vorgetragene Texte , die dem Tagebuch der Hello Kitty Generation entsprungen sein könnten. So hangelt sich der Rezensent von Song zu Song auf der Suche nach Tiefe und freut sich über kleinere Uptempoausflüge des Vierers während "My house is still yours" und "Uphill run" bevor er bei den abschließenden "April Showers" und dem minimal instrumentierten "Candles and rain" eine späte aber gelungene Wende im Konzept von "Up for a game, mate?" entdeckt. Nicht dass FREEQUENCY nun zur Metalband mutieren, nein im Gegenteil: Pianoklänge, Streicher und jede Menge Pop-Appeal mit dem zuvor vermissten Tiefgang. Vielleicht ist dies der Weg den die Jungs künftig einschlagen sollten? Vielleicht sollten sie auch einfach weiter machen wie bisher. Ihre Anhänger werden sie finden, so oder so. Nur die Pforten zu Wacken werden ihnen wohl auf ewig verschlossen bleiben....